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City-Kirche/Offene
Kirche "Suchet der Stadt Bestes."
Von England her über
Holland nach Deutschland kommend, haben seit
Mitte der 1980er Jahre in zahlreichen Städten
City-Kirchen von sich reden gemacht.
Was steckt dahinter?
In den meisten europäischen
Stadtzentren trifft man auf dasselbe Bild: Die
grossen Kathedralen stehen nach wie vor dort,
wo sie einst gut besucht wurden, in ehemals
dicht bevölkerten Quartieren. Ihre Erhaltung
jedoch wird heute für die immer kleiner
werdenden Kirchgemeinden zur finanziellen Belastung.
So sind in England und Holland, wo die Kirchgemeinden
auf freiwillige
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Spenden angewiesen sind, bereits zahlreiche Gotteshäuser
aufgegeben, einer neuen Nutzung (Parkhaus, Museum etc.)
zugeführt oder gar abgerissen worden.
City-Kirche
Das Modell "City-Kirche" will diese Entwicklung
aufhalten; es will einen anderen Weg aufzeigen. City-Kirchen
positionieren sich selbstbewusst im städtischen
Gefüge von Angebot und Nachfrage. Neben Konsum-
und Musentempeln, neben Repräsentationsbauten politischer
Macht treten die City-Kirchen als Gotteshäuser
für die Unverfügbarkeit des Menschen ein:
Der Mensch ist gerade dadurch Mensch, dass er nicht
sich selbst gehört, sondern Gott, der alle Menschen
zu Brüdern und Schwestern macht.
City-Kirchen gibt es in ganz unterschiedlichen
Versionen, je nach Situation vor Ort. Jede einzelne
ist ein Unikat. Gemeinsam ist den City-Kirchen, dass
sie werktags geöffnet sind. Dies ermöglicht
den heute noch immer in ihrer Freiheit bedrohten Zeitgenossen/
-innen die ganze Woche hindurch mitten in der Stadt
einen Raum zu finden, in dem sie ganz zu sich selbst
kommen können. Mit Ausstellungen, Konzerten, Events
möchte die City-Kirche eine in die ganze Stadt
ausstrahlende Plattform schaffen für den Dialog
unterschiedlicher Versuche zur Sinngebung des Lebens.
Sie möchte auf diese Weise auch Themen zur Sprache
bringen, die in unserer Gesellschaft keine Stimme haben.
Offener St.
Jakob
Die City-Kirche "Offener St. Jakob": Wenige
Monate nachdem ich mein Amt in der Kirchgemeinde Aussersihl
angetreten hatte, sprach sich das Zürcher Stimmvolk
in einer zweiten Abstimmung für die definitive
Schliessung des Quartiers und Kulturzentrums Kanzlei
aus. Der Besuch der alljährlichen Konferenzen für
Stadtkirchenarbeit sensibilisierte mich für die
Möglichkeiten einer so zentral gelegenen, grossen
Kirche. Ermutigt durch praktische Erfahrungen in der
Kirche zu St. Peter in Zürich und der Stadtkirche
in Winterthur war es meine Vision, dass der "Offene
St. Jakob" in die Lücke springen und einem
Teil der heimatlos gewordenen, kulturellen Initiativen
Raum bieten könnte. Um auch Mitglieder anderer
Religionen und Konfessionen sowie religionslose Menschen
zum Mitgestalten zu animieren, wurde der Verein "Forum
Offener St. Jakob" gegründet. Eine enorme
Belebung der Kirche zu St. Jakob war die Folge. Durch
eine Vielfalt von Aktivitäten hat sie sich einen
Platz im Bewusstsein der in der Stadt Zürich lebenden
Menschen geschaffen.
Die Kirchenpflege Aussersihl hat nach
und nach die Chancen der City-Kirche "Offener St.
Jakob" erkannt und deren Grundsätze zu ihrem
eigenen Programm gemacht. "Suchet der Stadt Bestes."
lautet das Motto der City-Kirchen - dann wird auch die
Stadt sich für die Erhaltung der Gotteshäuser
begeistern können. Die Zukunft wird zeigen, ob
sich dieses Credo in Zürich-Aussersihl tatsächlich
bewahrheiten wird.
Pfarrer Anselm Burr
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