Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.
Jakobus 5,16



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Liebe Leserin, lieber Leser

Am 17. Mai feiern wir Auffahrt. Worum geht es an diesem Feiertag, der in andern Ländern auch Christi Himmelfahrt heisst? Worum geht es, wenn wir sagen, Christus sei gen Himmel aufgefahren? Vor mir sitzt in einer Kirche ein kleines Kind mit seinem Vater. Interessiert schaut es bald hierhin, bald dorthin. Dann zupft es den Vater am Ärmel und fragt: Wo ist nun Gott?

Dietrich Bonhoeffer hat einmal geschrieben: Der Gott, der mit uns ist, ist der Gott, der uns verlässt.» Am vierzigsten Tag nach Ostern, also an Auffahrt (Himmelfahrt), entschwindet Jesus in den Himmel. Doch dieses Entschwinden ist nicht ein Verschwinden. Es geht bei der Himmelfahrt nicht darum, dass jemand vom einen Ort an einen andern Ort verschwindet. Es geht nicht um eine Ortsveränderung, sondern um eine Veränderung der Art und Weise, wie Jesus sich uns zeigt. Auch als zum Himmel Aufgefahrener bleibt er weiter gegenwärtig – nämlich im Leben derjenigen Menschen, die durch ihr Verhalten im Alltag Zeugnis von ihm ablegen.

«Wo ist nun Gott?», fragt in der Kirche das kleine Kind seinen Vater. Der jüdische Denker Martin Buber berichtet in den chassidischen Geschichten:

Rabbi M. war zu Gast bei gelehrten Männern. Er überraschte sie mit der Frage: «Wo wohnt Gott?» Sie lachten über ihn: «Was redet ihr? Ist doch die Welt seiner Herrlichkeit voll!» – Er aber beantwortete seine eigene Frage: «Gott wohnt, wo man ihn ein lässt.»

Ich wünsche Ihnen frohe Auffahrt!

Ihr Pfarrer Andreas Bruderer


 
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